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Sardinien – Sonnenverwöhnt und sensationell

7. Oktober 2026
Sardinien von oben
Eine wahre Schönheit: Sardinien ist ein beliebtes Urlaubsziel und obendrein auch ein wundervolles Weinparadies. Foto: Adobe Stock

Wer bei Sardinien zuerst an Traumstrände und Beach-Partys in Porto Cervo denkt, hat die eigentliche Sensation der Insel verpasst: ihre Reben. Was die Weinwelt jahrzehntelang für einen spanischen Import hielt, entpuppt sich als 3000 Jahre altes Original – und die Insel selbst als geologisches Sammelsurium, das Winzern das Leben schwer und die Weine dafür umso interessanter macht.

Sardinien liegt rund 190 Kilometer westlich des italienischen Festlands im Mittelmeer, nur 12 Kilometer von Korsika getrennt durch die Straße von Bonifacio, mit Tunesien im Süden. Als zweitgrößte Insel des Mittelmeers sitzt sie eher am Rand Italiens als in seiner Mitte und ist somit geografisch wie auch kulturell ein Sonderfall. Fast 70 Prozent der Insel sind Hügelland, nur rund 18 Prozent Ebene und 13 Prozent Gebirge – für den Weinbau bedeutet das: viele kleine, eigenständige Lagen statt eines homogenen Anbaugebiets.

Ein Blick zurück

Wie eigenständig, zeigt ein Fund aus dem Jahr 2002: Bei der Nuraghe Arrubiu in Orroli entdeckte man verkohlte Traubenkerne, datiert auf 1200 v. Chr. Sie gehören zu Cannonau – jener Rebe, die lange als sardischer Ableger vom spanischen Grenache galt. Tatsächlich ist es umgekehrt: Cannonau wurde auf Sardinien geboren, wanderte über Handelsrouten nach Spanien und Frankreich und wurde dort zu Garnacha beziehungsweise Grenache. Noch älter ist eine Kelteranlage aus der mittleren Bronzezeit (15. Jh. v. Chr.) bei Monastir – die älteste bekannte Rotwein-Presse im Mittelmeerraum. Phönizier brachten wenig später die Rebsorte Nuragus mit, Karthager bauten den Handel weiter aus.

Was die Insel kann

Heute stehen rund 26.700 Hektar Reben auf der Insel, knapp 4 Prozent der italienischen Rebfläche. Cannonau dominiert mit 7.500 Hektar, dicht gefolgt von Vermentino (über 5.000 Hektar), der weißen Antwort der Insel. Dazu kommen Raritäten wie Carignano, Vernaccia di Oristano, Nuragus und Monica.

Der Norden um Gallura und Alghero ruht auf verwittertem Granit – sandig, mineralisch, ideal für strukturierten Vermentino. Hier liegt mit Vermentino di Gallura auch die einzige DOCG der Insel. Im Süden, im Sulcis, wachsen auf über 90 Prozent sandigen Böden noch wurzelechte, nie gepfropfte Carignano-Stöcke, 50 bis 120 Jahre alt – eine der letzten reblausfreien Zonen Europas. Klimatisch prägt der Maestrale die Insel, ein beständiger Nordwestwind: Er trocknet die Trauben, hält Pilzkrankheiten fern, zwingt aber zu niedrigen Erziehungsformen wie der traditionellen Alberello-Buscherziehung. Rund 300 Sonnentage, Sommertemperaturen über 40 °C im Südwesten und kühlere Lagen im Bergland der Barbagia sorgen für ein deutliches Nord-Süd-Gefälle in Frische und Kraft. Weil im Sommer kaum Regen fällt, ist künstliche Bewässerung vor allem im Süden inzwischen die Regel, nicht die Ausnahme.

Prosciutto, Parmesan, Oliven und ein Glas Weißwein
Schmeckt natürlich nicht nur auf Sardinien: Prosciutto, Parmesan, grüne Oliven und ein herrliches Glas Weißwein. Foto: Adobe Stock

Die Szene wird von wenigen, aber prägenden Namen getragen: Sella & Mosca bei Alghero, eine der größten und ältesten Kellereien der Insel, die Genossenschaft Cantina di Santadi im Sulcis als Referenz für Carignano, der Familienbetrieb Argiolas (seit 1906, mittlerweile dritte Generation), Capichera als Vermentino-Ikone in Gallura und Tenute Dettori als biodynamischer Naturwein-Pionier.

Sardinien auf einen Blick

Lage: Mittelmeer, ca. 190 km westlich des italienischen Festlands, 2. größte Insel des Mittelmeers

Fläche: 24.090 km²

Hauptstadt: Cagliari

Rebfläche: ca. 26.700 ha (rund 4 % der italienischen Anbaufläche)

Produktion: ca. 690.000 hl/Jahr

Herkunftsbezeichnungen: 1 DOCG (Vermentino di Gallura), 17 DOC, 15 IGT

Leitrebsorten: Cannonau (rot, 7.500 ha), Vermentino (weiß, >5.000 ha)

Böden: Granit (Norden), Kalk, Ton, Sandstein, Sand (Süden/Sulcis)

Klima: mediterran, ca. 300 Sonnentage/Jahr, geprägt vom Nordwestwind Maestrale

Besonderheit: einige der ältesten wurzelechten, reblausfreien Rebstöcke Europas (Sulcis)

Blick auf die Reben von Sella und Mosca in Sardinien.
In den Weinbergen von Sella & Mosca wird stets fleißig gearbeitet, um beste Qualität in die Flasche zu bekommen. Foto: Sella&Mosca.

Sella e Mosca – Evviva la Sardegna

Im Jahr 1899 entdeckten der Piemonteser Ingenieur Erminio Sella und der Anwalt Edgardo Mosca bei einem ihrer Jagdausflüge im Nordwesten Sardiniens ein karges, steiniges Land bei Alghero. Sie sahen Potential und beschlossen zu bleiben. Mit bloßen Händen befreiten die beiden hunderte Hektar Macchia von Felsbrocken, um Reben zu pflanzen. Ab 1903 wurde in Sella & Mosca erstmals Wein gekeltert, im historischen Keller reifen die Rotweine bis heute in slawonischen Fässern. Mit rund 540 Hektar Rebfläche verteilt auf drei Lagen zählt das Gut inzwischen zu den größten Weingütern Europas – treu geblieben ist man dabei den autochthonen Sorten der Insel: Vermentino und Cannonau. Eine Treue, die sich vor allem für Wein-Enthusiasten in aller Welt bezahlt macht.

Cala Reale Vermentino di Sardegna DOC 2025 |Sella & Mosca, Alghero, Sardinien, Italien

Nur die besten Vermentino-Trauben, gewonnen auf uralten, vom Meer geprägten Böden nahe Alghero, werden zum Cala Reale. Nach 12 Stunden Kaltmazeration bei 10 °C, sanfter Pressung und kalter statischer Klärung reift der Wein kurz in Stahltanks – ganz ohne biologischen Säureabbau, um seine Frische zu bewahren. Im Glas zeigt sich ein sattes Strohgelb mit grünen Reflexen, in der Nase ein verführerisches Bouquet tropischer Früchte, mediterraner Macchia, Beeren und Kräutern. Am Gaumen verschmelzen warme, reife Fruchtnoten mit einer üppigen, salzigen Würze, die sich elegant durch den Wein zieht – der Abgang ist lang, mineralisch, frisch und würzig.

Verliebt in Vermentino …
„… genießen wir den Cala Reale ganz unkompliziert als Aperitivo zu Muscheln und Oliven. Am besten entfaltet er sich zu frischem Fisch und Meeresfrüchten und schmeckt zu Spaghetti alle vongole, zu einer Paella im sardisch-katalanischen Stil, wie man sie in Alghero kennt, oder zu gegrilltem Fisch vom Grill. Auch zu Fischtatar oder -carpaccio mit gebackenem Gemüse, hellem Fleisch und frischem Ziegen- oder Schafskäse zeigt er sich als verlässlicher Begleiter – und selbst zu leicht scharfer, orientalisch angehauchter Küche bietet er eine neue Genussdimension.“

Jetzt den unglaublichen Vermentino kennenlernen

Medeus Cannonau di Sardegna DOC 2024 | Sella & Mosca, Alghero, Sardinien, Italien

Der Medeus überzeugt durch Finesse statt Wucht. Er wächst auf warmen, sandigen Böden unweit des Meeres, wo ihn stets der Grecale, der Nordostwind, umweht. Nach 15-tägiger Mazeration und Gärung zwischen 18 und 28 °C, samt biologischem Säureabbau, reift er mehrere Monate in Stahltanks. Im Glas leuchtet er brillant rubinrot, in der Nase dominieren intensive Aromen von roter Konfitüre mit einem Hauch Balsamico, dazu blumige und fruchtige Nuancen sowie klassische mediterrane Kräuternoten. Am Gaumen zeigt er sich frisch, würzig, mit feinen, weichen Tanninen – ein voller, robuster, warmer Wein mit schöner Balance, Frische und Tiefe.

Cannonau kann‘s …
„… vor allem an einem gemütlichen Herbstabend bei knisterndem Feuer – am liebsten in großer Runde, denn der Medeus ist ein Wein zum Teilen. Sein natürlicher Partner ist der Porceddu, das sardische Spanferkel vom Spieß: Die zarten Tannine begleiten das würzige, rauchige Fleisch, ohne es zu überdecken. Genauso gut passt er zu geschmortem Rind, zu Wild aus der Macchia oder zu einer deftigen Pastasauce mit Lamm. Und ein perfekt gereifter Pecorino Sardo, kräftig und salzig, findet in seiner Frucht und Würze das perfekte Gegengewicht. Am besten bei rund 18 °C servieren, dann zeigt er sein volles Aroma.“

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